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Thomasius: Briefe (Grunert)

Briefe von und an Christian Thomasius

Dr. Frank Grunert, Dr. Martin Kühnel, Dr. Matthias Hambrock, Dr. Andrea Thiele

 

Zur Vorbereitung der Edition der Briefe von und an Christian Thomasius haben Dr. Martin Kühnel und Dr. Frank Grunert die an den bekannten bzw. inzwischen ermittelten Orten lagernden Schriftstücke erfasst und gesichert. Durch umfangreiche – national wie international unternommene – Recherchen und durch gezielte Nachfragen bei den entsprechenden Einrichtungen wurde eine unerwartet große Anzahl von Briefen ausfindig gemacht, so dass der gesamte Bestand auf derzeit insgesamt 615 Schreiben angewachsen ist. Es handelt sich um 138 Briefe aus der Feder von Christian Thomasius und um die Schreiben von nicht weniger als 171 Korrespondenten. Alle relevanten Daten des bisher ermittelten Bestandes sind in eine Datenbank überführt worden, die eine Abfrage etwa nach Absender, Empfänger, Ort oder Datum erlaubt. Außerdem wurden alle aufgefundenen Schreiben vollständig digitalisiert, so dass die Transkription und die sachliche Auswertung der Briefe ohne Verzögerung aufgenommen werden kann.

Die bisherigen Vorbereitungsarbeiten ergeben folgendes Bild: Abgesehen von nur vereinzelten Schreiben aus den Jahren vor 1682 liegen bis zum Todesjahr 1728 durchgängig Briefe vor. Freilich ist die Überlieferungsdichte nicht immer gleich. Relativ hoch Ende der 1680er Jahre und während der 1690er Jahre, nimmt die Frequenz danach zunächst ab; gut dokumentiert erscheint dann wieder die Zeit zwischen 1706 und 1710 und die letzte Lebensphase in den 1720er Jahren. Geografisch findet der Briefwechsel in Mittel- und Norddeutschland und im Wesentlichen unter Protestanten statt. Mit Ausländern hat Thomasius – abgesehen von wenigen Ausnahmen, z. B. Pierre Poiret – nur vereinzelt Kontakt gehabt. Sofern er mit Partnern in den Niederlanden korrespondierte, handelte es sich durchweg um Deutsche (z. B. Friedrich Breckling), die entweder in den Niederlanden auf Reisen waren oder sich dort niedergelassen hatten. Die bevorzugte Sprache ist in der Regel Deutsch, Latein wurde – vermutlich je nach Gegenstand des Briefes – erst in zweiter Linie verwendet. Der französischen Sprache hat sich Thomasius – nach dem gegenwärtigen Stand der Erhebungen – nicht bedient, umgekehrt existiert durchaus eine nicht unbeträchtliche Anzahl von an ihn adressierten französischsprachigen Schreiben; englischsprachige Briefe liegen nicht vor. Angesichts des unbestrittenen Rangs, der Christian Thomasius auf den unterschiedlichen Feldern seines Wirkens zukommt, darf man von der Briefausgabe – abgesehen von wichtigen Einsichten in die Genese des Werkes – aufschlussreiche Erkenntnisse über die Formierungsphase der Aufklärung in Deutschland und die Gelehrtenkultur an der Universität Halle in den ersten zwei Jahrzehnten ihres Bestehens erwarten.

Gefördert durch die DFG ab 01.04.2010 für zunächst drei Jahre (2½ wiss. Mitarbeiter).