Working Group "Enlightenment Now!?" im Exzellenzcluster Imaginamics: Practices and Dynamics of Social Imagining
Leitung: Prof. Dr. Daniel Fulda, MLU Halle-Wittenberg und Prof. Dr. Inger Leemans, VU Amsterdam
Teil des im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder geförderten Exzellenzclusters "Imaginamics. Practices and Dynamics of Social Imagining" an der Universität Jena
Projektbeginn: Januar 2026
Laufzeit: 1.1.2026-30.6.2028
Wiss. Hilfskraft: Mirjana Maßmann
Ausführende Stelle: Lehrstuhl Prof. Dr. Daniel Fulda, Germanistisches Institut, MLU
Zur Working Group:
Was versteht unsere Gegenwart unter Aufklärung? Unsere Analyse aktueller Debatten u.a. auf Social Media und ihrer politischen Kontexte zielt darauf ab zu ermitteln, wie ein bestimmtes historisch geprägtes Vorstellungsrepertoire mit heutigen Problemen korreliert und welche Zukunftsperspektiven sich daraus ergeben.
Der spezifische Ansatz dieser Arbeitsgruppe weicht in dreifacher Hinsicht von der bisherigen, etablierten Aufklärungsforschung ab:
a) zeitlich, indem die aktuelle Funktion und Wirkungsweise der Aufklärung als „Möglichkeits- oder Vorstellungsraum“ untersucht wird, der sich über einen langen Zeitraum von ca. drei Jahrhunderten herausgebildet und wiederholt gewandelt hat und der heute zunehmend umstritten ist.
b) sozial, indem die Aufklärung nicht in erster Linie als Projekt einer intellektuellen Elite analysiert wird, sondern indem ihre soziale Reichweite in ihrer praktischen Anwendung untersucht wird (darunter auch die soziale Zirkulation von Vorstellungswelten im Rahmen von Medienpraktiken).
c) methodisch, indem die Aufklärung als vorgestellter Inhalt bestimmter Medienformate und die Auswirkungen ihrer Entstehung und Nutzung analysiert werden (Texte, Bilder, ihre Kombinationen in elektronischen und digitalen Medien; in der Sprache: konzeptuell und metaphorisch; medienübergreifend: Narrative, Storytelling).
In Zusammenarbeit mit der Klassik Stiftung Weimar werden innovative Formate der interaktiven Besucherpartizipation installiert, um Daten über die Vorstellungen der Zielgruppe von der Aufklärung und über die Erwartungen zu gewinnen, die Zeitgenossen unterschiedlichen Alters, Geschlechts und Bildungsniveaus an sie richten.
English Version:
How do we imagine enlightenment today? By analysing political contexts and communication processes (including social media debates), we want to better understand how a historically shaped repertoire of imaginations correlates with current problems and what future perspectives this opens up.
The Working Group’s specific approach is defined by three departures from established Enlightenment research:
a) temporally by inquiring the current function and functioning of Enlightenment as an ‘affordance to imagine’, which has been formed and repeatedly changed over a long period of time (about three centuries) and is increasingly controversial today.
b) socially by not primarily analysing Enlightenment as an intellectual elite project, but exploring its social range in practical usages (social circulation of imaginations through media practices).
c) methodologically by analysing Enlightenment as the imaginative content of certain media formats and the effects of their creation and use (texts, images and their combinations in electronic and digital media; in language: conceptual and metaphorical; cross-media: narratives, storytelling).
In cooperation with the Klassik Stiftung Weimar, innovative formats for interactive visitor participation will be installed in order to obtain data on the target group's imagination of the Enlightenment and the expectations that contemporaries of different ages, genders and levels of education have of it.
Über das Exzellenzcluster Imaginamics:
Die Working Group "'Enlightenment Now!?' Conflicting imaginaries of enlightenment in contemporary crisis debates" ist Teil des soeben neu bewilligten Clusters „Imaginamics. Practices and Dynamics of Social Imagining“, der im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder sieben Jahre lang gefördert wird. Der Cluster wird von Prof. Dr. Johannes Grave geleitet und ist an der Universität Jena angesiedelt, bezieht aber auch Wissenschaftler aus Erfurt, Halle und Weimar ein. Er beschäftigt sich mit dem, was Gesellschaften im Innersten zusammenhält: in größeren oder kleineren Gruppen geteilte Vorstellungen, das heißt Narrative, Weltbilder und Zukunftsentwürfe. ‘Soziales Imaginieren’ sind die Praktiken des Hervorbringens und Teilens solcher Vorstellungen, Narrative und Bilder. Sie tragen dazu bei, gemeinsame, intersubjektiv anerkannte Vorstellungswelten zu erschaffen, die alltagsweltliche Orientierung und Halt bieten. Aufklärung als soziales Imaginieren zu untersuchen bedeutet, ihre gesellschaftliche Durchsetzung in den Blick zu fassen und ihre Dynamiken besser zu verstehen, als dies mit einem ausschließlich texthermeneutischen Ansatz möglich ist.
Zum Cluster gehören auch eine Research School und Nachwuchsgruppen. Am IZEA ist u.a. eine enge Zusammenarbeit mit dem Graduiertenkolleg „Politik der Aufklärung“ geplant.
Siehe https://www.campus-halensis.de/artikel/fulda-exzellenz/ (23.06.2025).
CFP für einen Doktoranden-Workshop im November 2026.
Kontakt: Prof. Dr. Daniel Fulda: daniel.fulda(at)germanistik.uni-halle.de