Alberto Luis Cordeiro de Farias
Soziologe, PhD in Sociology; Rio de Janeiro State University - RJ, Brazil
Derzeitige Beschäftigung
Postdoktorand beim Nationalen Rat für wissenschaftliche und technologische Entwicklung (CNPq, Brasilien) und Postdoktorand am Institut für Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Förderung: CNPq und Georg-Simmel-Gesellschaft).
Kurzer Lebenslauf
2026 – Postdoktorand, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Soziologie, Deutschland. gefördert durch den Nationalen Rat für wissenschaftliche und technologische Entwicklung (CNPq), Brasilien, und die Georg-Simmel-Gesellschaft (GSG), Deutschland.
2024 bis heute – Postdoktorand, Bundesuniversität Santa Catarina, Brasilien, gefördert durch den Nationalen Rat für wissenschaftliche und technologische Entwicklung (CNPq), Brasilien.
2015 bis heute – Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Forschungsgruppe Sociofilo, Staatliche Universität Rio de Janeiro, Brasilien.
Wissenschaftliche Schwerpunkte im Allgemeinen
Forschung an der Schnittstelle von Soziologie und Philosophie. Alberto Cordeira de Farias' Arbeit konzentriert sich auf die Ideengeschichte und Ideensoziologie, Theorien der Humanwissenschaften, Kants Kritik der Urteilskraft, Georg Simmel und den Neukantianismus.
Wissenschaftliche Schwerpunkte im Rahmen der Assoziation am IZEA
Im Rahmen des Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA) möchte er historische und soziologische Muster der Aufklärung erforschen sowie systematischere Untersuchungen zu Theorien, Kategorien und Systemen im Werk von Autoren wie C. Wolff, I. Kant, M. Mendelssohn und G. Simmel durchführen.
Kurzkonzept der für das IZEA vorgesehenen wissenschaftlichen Aktivität
- Kulturelle Muster der Aufklärung;
- Aufklärungsdenken: Konzepte, Kategorien, Systeme;
- Theoretisierung der Aufklärung als transhistorische rational-kritische Haltung und als normatives Programm.
Forschungsprojekt
Titel: Simmel und die Aufklärung – Simmels Neukonfiguration von Autonomie und Bildung, von der Selbstgesetzgebung zur Selbstbindung
Zusammenfassung
Dieses Projekt hat zum Ziel zu untersuchen, wie Georg Simmel die Traditionen der Aufklärung rezipierte und überarbeitete. Zunächst beabsichtige ich, Simmels Charakterisierung der Aufklärung als einerseits transhistorische rational-kritische Haltung und andererseits normatives Programm zu rekonstruieren. Zweitens möchte ich die Hauptmerkmale dieser Rezeption reflektieren und dabei die übernommenen Kategorien identifizieren, die die Simmelsche Semantik strukturieren. Insbesondere möchte ich untersuchen, wie Simmel zwei dieser Kategorien, Autonomie und Bildung, entwickelt, und dabei die Kontinuitäten und Brüche mit den Traditionen der Aufklärung erläutern. Das Leitargument lautet, dass Simmel eine kulturelle Variante der Aufklärungsmoderne formuliert, in der er sich nicht nur als Erbe dieser Traditionen versteht, sondern auch über sie theoretisch reflektiert, indem er die Ideale von Autonomie und Bildung in theoretisch-soziale Begriffe übersetzt. Seine Analysen verbinden die Selbstgesetzgebung der Morallehre und der klassischen Bildung mit sozial produzierten Techniken der Selbstbindung, durch die Individualität in Formen konstituiert wird, welche Freiheit zugleich ermöglichen und begrenzen. Diese zentralen Themen der Aufklärung durchziehen zwei miteinander verbundene Traditionen (Lumières und Aufklärung) und verdichten sich in Simmels Vokabular, neu kodifiziert in seinen Auslegungen von Geld, Vereinigung und dem Nexus der Lebensformen in zahlreichen Büchern und Aufsätzen.
Schlüsselwörter: Autonomie. Bildung. Aufklärung. Georg Simmel.
brief
Based on Georg Simmel’s reflections on the Enlightenment, this research proposal seeks to reconstruct and further develop what may be termed a socio-philosophy of civilizational ambivalence as a methodology for analyzing modernity. It proeceeds from the observation that Simmel does not merely inherit the Enlightenment but transforms it into a distinct analytical framework through which civilized life can be understood in terms of its constitutive tensions. On this basis, the project first aims to reconstruct Simmel’s understanding of the Enlightenment both as a transhistorical rational-critical attitude and as a normative program centered on autonomy (Autonomie), formation (Bildung), and the formation of the individual. In a complementary and more synthetic sense, the project advances a socio-philosophy of civilizational ambivalence as a theoretical-methodological perspective. The central hypothesis is that Georg Simmel translates Enlightenment ideals - autonomy, cultivation, and rational mediation - into a socio-philosophical framework for analyzing the social forms through which they are historically realized. Civilization thus appears as a formally mediated organization of life, in which normative promises are embodied in institutions, symbolic media, and forms of interaction. Because these mediating forms simultaneously expand and abstract social life, civilized modernity is intrinsically ambivalent: the very processes that enable freedom, cultivation, and mutual recognition also generate alienation, depersonalization, and the possibility of barbarizing reversals. On this basis, the project aims to develop a Simmelian-inspired formal-analytical model of civilizational diagnosis capable of identifying the relationship between normative ideals, social mediations, ambivalent effects, and liminal processes of barbarization in both historical and contemporary societies.