Aktuelles
Nachruf auf Dr. habil. Michael Niedermeier
Die Dessau-Wörlitz-Kommission
am Interdisziplinären Zentrum für die Erforschung der europäischen Aufklärung
an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
trauert um
PD Dr. phil. habil. Michael Niedermeier
verstorben am 1. April 2026 im 72. Lebensjahr.
Mit Michael Niedermeier verlieren wir eines unserer aktivsten Mitglieder. Von der Anglistik und der Germanistik kommend, zu Goethes „Wahlverwandtschaften“ 1983 promoviert, diese als die literarische Beschreibung einer „Gartenrevolution“ interpretierend, wurde der Landschaftsgarten im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts mit seinen vielfältigen Aspekten zu einem Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit. Er entwickelte sich zu einem ausgewiesenen Kenner und vielgefragten Interpreten der Entwicklung dieser Kunstform. Seine Habilitationsschrift „Erinnerungslandschaft und Geheimwissen. Inszenierte Memoria und politische Symbolik in der deutschen Literatur und den anderen Künsten (1650–1850)“, TU Berlin 2007, kennzeichnet einen ersten Höhepunkt seiner Beschäftigung mit diesem Thema, das er zielgerichtet weiter ausbaut.
Seine Tätigkeit in der Pückler-Gesellschaft und die damit verbundene Beschäftigung mit den von Fürst Pückler eingerichteten, heute grenzüberschreitenden Landschaftsgärten an der Oder sind dann auch der Anlass, ebenfalls transnational wirksam zu werden und besonders Ost-Mitteleuropa einzubeziehen. So ist es ihm zu verdanken, dass das bedeutende Gartenbuch der polnischen Fürstin und Gartengestalterin Izabela Czartoryska erstmals in deutscher Fassung durch die Pückler-Gesellschaft herausgegeben wurde: „Mancherlei Gedanken über die Art und Weise, Gärten anzulegen (1805/1808). Das Gartenbuch der Fürstin Izabela Czartoryska“, Weimar 2018.
Für die Dessau-Wörlitz-Kommission war es bedeutsam, ihn zur Mitarbeit zu gewinnen. Seit über zwanzig Jahren war er dort sehr aktiv tätig, nahm regelmäßig an den Sitzungen der Kommission teil, trug mit vielfältigen Anregungen zur Gestaltung der Programme bei und übernahm auch häufig Beiträge selbst, die durch ihre originellen Gedankengänge und die Brillanz des Vortrags immer zu den Höhepunkten der Tagungen gehörten. Als gegen Ende der 2010er Jahre die Idee entstand, in einer Tagung speziell ost-mitteleuropäische Gärten zu behandeln und zu diesem Zweck auch Kolleginnen und Kollegen direkt von dort einzuladen, war es besonders Michael Niedermeier, der neben Jana Kittelmann, Ingo Pfeifer und Andrea Thiele seine persönlichen Kontakte nutzte, um im Jahr 2021 eine qualitativ hochwertige Jahrestagung zu organisieren, deren Ergebnisse in dem Band „Über Gärten im Gespräch: Wechselwirkungen zwischen Landschaftsgärten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts in Mittel- und Ostmitteleuropa“, Halle 2023, publiziert wurden, für dessen Qualität nicht zuletzt die Auszeichnung mit einem Deutschen Gartenbuchpreis 2024 steht.
Michael Niedermeier beschäftigte sich mit Gärten und Gartengestaltung interdisziplinär, beschränkte sich nicht auf einige wenige Aspekte, sondern war immer darauf bedacht, diese als Gesamtkunstwerk einschließlich der ideellen Hintergründe darzustellen. Als dann, angeregt durch erste Grabungen Harald Mellers und Franziska Knolls im Gartenreich, die Idee entstand, sich intensiver als bisher mit den oftmals verborgenen und meist auch vergessenen Relikten der sich auf die Vorzeit beziehenden Elementen in den anhaltischen Gärten zu befassen, hat Michael Niedermeier neben Andrea Thiele sofort Feuer gefasst und gemeinsam mit Harald Meller die Jahrestagung 2024 mit internationaler Beteiligung zum Thema „»Meinen Vorfahren«. Patriotische Inszenierung von Vorgeschichte und Archäologie im frühen europäischen Landschaftsgarten“ organisiert, womit dieses Thema nach gelegentlichen früheren Ansätzen erstmals durch Experten und Expertinnen sowohl der Kunstgeschichte als auch der Archäologie gemeinsam umfassend wissenschaftlich behandelt wurde.
Ein weiteres Thema, das Michael Niedermeier sehr am Herzen lag und für das er bereits das Konzept für eine Jahrestagung vorbereitet hatte, betrifft das Vermessungswesen im 18. Jahrhundert, das sich zu dieser Zeit rasant entwickelte und das naturgemäß auch für die Gartengestaltung eine große Bedeutung hatte. Es handelt sich um ein Thema, auf das er bereits bei seiner Dissertation gestoßen war, dessen Verwirklichung als DWK-Tagung er aber leider nicht mehr erleben kann, das nun nur noch als Vermächtnis eines äußerst regen und einfallsreichen Kommissionsmitglieds der Realisierung harrt.
Die Kommission, aber letztlich alle Freunde der Gartenkunst, insbesondere ihrer symbolträchtigen Elemente, sowohl der offenkundigen als auch der verborgenen, werden den Ideenreichtum – einerseits einfühlende Phantasie, andererseits scharfsinnige Schlussfolgerung – sowie die profunden Kenntnisse Michael Niedermeiers sehr vermissen. Wir werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren!
Im Namen der Dessau-Wörlitz-Kommission
Prof. Dr. Dr. Gunnar Berg, Vorsitzender Dr. Andrea Thiele, Geschäftsführerin
Dr. habil. Michael Niedermeier verstorben
Mit großer Bestürzung haben wir erfahren, dass Dr. habil. Michael Niedermeier, einer der profundesten Kenner des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs und eines der aktivsten Mitglieder unserer Kommission, am 1. April 2026 plötzlich verstorben ist. Wir werden seine bleibende, wertvolle Arbeit für und über das Gartenreich und im Rahmen unserer Kommission in Kürze an dieser Stelle ausführlicher würdigen.
Zum Nachruf auf Herrn Niedermeier auf der Webseite der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz:
3.-5. September 2025
Jahrestagung der Dessau-Wörlitz-Kommission
Bewahren, ergänzen, modernisieren? Das Gartenreich unter Leopold IV. Friedrich von Anhalt-Dessau (1794-1871)
Konzeption und Leitung: Dr. Annette Froesch und PD Dr. Jana Kittelmann
Veranstaltungsort: Historischer Gasthof "Zum Eichenkranz" in Oranienbaum-Wörlitz
Eine Kooperation der Dessau-Wörlitz-Kommission an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Programm
Mittwoch 3. September 2025
12:30 Thomas Holzmann (Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs)
Begrüßung
12:40 Gunnar Berg (DWK), Anette Froesch (KSDW) und Elisabeth Rüber-Schütte (LDA)
Grußworte
13:00 Anette Froesch (Dessau): Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich unter Herzog Leopold IV. Friedrich (1794–1871). Eine Spurensuche
13:45 Marko Kreutzmann (Jena): Herausforderung, Selbstbehauptung und Zusammenschluss. Die anhaltischen Staaten im 'langen' 19. Jahrhundert
14:30 Kaffeepause
15:00 Ralf Regener (Magdeburg): Herzog Leopold IV. Friedrich (1794–1871) und die Politisierung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert
15:45 Jan Brademann (Dessau): Die „anhaltische evangelische Christenheit“? Zur Konstruktion einer regionalen Glaubensgemeinschaft unter Herzog Leopold IV. Friedrich
16:30 Kaffeepause
17:00 Jan Kellershohn (Halle/S.): Leopoldshall. Industrialisierte Salzgewinnung und Wirtschaftspolitik unter Leopold IV. Friedrich
Donnerstag, 4. September 2025
9:00 Michael Hecht (Halle/S.): Herzog Leopold IV. Friedrich von Anhalt und die regionale Geschichtskultur
9:45 Frank Kreissler (Dessau): Der Landesherr als Stadtgestalter. Herzog Leopold IV. Friedrich von Anhalt und die bauliche Entwicklung der Residenzstadt Dessau
10:30–10:40 Elisabeth Rüber-Schütte (Halle/S.): Forschungsdesiderat Denkmalpflege
10:40 Kaffeepause
11:00 Ingo Pfeifer (Dessau): Der Architekt Carlo Ignazio Pozzi
11:45 Michael Keller (Dessau): Gartenkunst, Gärtner und Gartenwissen – Aspekte des anhaltischen Gartenwesens in der Regierungszeit Leopolds IV. Friedrich von Anhalt-Dessau
12:30–14:00 Mittagspause
14:00 Andrea Thiele (Halle/S.): Wald und Forstverwaltung in der Zeit Leopolds IV. Friedrich von Anhalt-Dessau
14:45 Heike Tenzer (Halle/S.): Landschaftsinszenierung – Gartenkunst. Alexisbad im 19. Jahrhundert
15:30–15:40 Bettina Schröder-Bornkampf (Dessau): Auf den Spuren der naturkundlichen Sammlungen
Anschließend: Exkursion in den Kühnauer Landschaftspark inkl. Weinbergschlösschen und Kirche
Freitag, 5. September 2025
9:00 Wolfgang Savelsberg (Dessau): Leopold IV. Friedrich als Künstler
9:45 Ruben Rebmann (Dessau): Ein Dessauer Biedermeier (?) – Leopold IV. Friedrich und die bildenden Künstler
10:30–10:40 Martin Glinzer (Dessau): Forschungsdesiderat Sammeln und Vermehrung der Sammlung im 19. Jahrhundert
10:40 Kaffeepause
11:15 Christian Eger (Halle/S.): Dessaus Silbernes Zeitalter? Das literarisch-kulturelle Erbe der Franz-Epoche unter Leopold IV. Friedrich
12:00 Jana Kittelmann (Dessau): Kunst und Wissenschaft in weiblicher Perspektive: Friederike Luise und Maria Anna von Anhalt-Dessau
12:45 Abschlussdiskussion und Ausklang der Tagung
Anschließend Möglichkeit der individuellen Besichtigung der Ausstellung „Vulkane, Götter, Großsteingräber – Die Antike und das Gartenreich“
Kontakt und Anmeldung:
Dessau-Wörlitz-Kommission
c/o IZEA
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Franckeplatz 1, Haus 54, 06110 Halle (Saale)
Die Teilnahme an der Tagung ist inkl. der Kaffeepausen dank der Unterstützung freundlicher Spender in diesem Jahr frei.
Bitte erleichtern Sie uns jedoch die Organisation, indem Sie sich bis zum 31. August 2025 unter Angabe Ihres vollständigen Namens und der Tage, an denen Sie teilnehmen werden, per Email unter
izea(at)izea.uni-halle.de
anmelden.
Fragen können (wieder ab 11.8.) an Dr. Andrea Thiele, Geschäftsführung der Dessau-Wörlitz-Kommission, gerichtet werden:
andrea.thiele(at)izea.uni-halle.de
Herzlichen Dank!
Jahrestagung 2024: "Meinen Vorfahren" - Patriotische Inszenierung von Vorgeschichte und Archäologie
22.–24. August 2024
Historischer Gasthof "Zum Eichenkranz"
„Meinen Vorfahren“. Patriotische Inszenierung von Vorgeschichte und Archäologie im frühen europäischen Landschaftsgarten

Als wichtige Gestaltungselemente integrierten im ausgehenden 18. Jahrhundert herrschaftliche Gartenbesitzer häufig im Umkreis entdeckte archäologische Bodenfunde oder darauf anspielende historisierende Artefakte in ihre Landschaftsgärten. Solche Zeugnisse der regionalen Vorgeschichte wurden als authentische Belege in das semantische Grundkonzept ihrer gartenkünstlerischen Schöpfungen angepasst. Das geschah meist gezielt mit der Absicht, sie als beweiskräftige Belege für den Zusammenhang eines bedeutenden „vaterländischen“ Altertums und einer sich aus der Landschaft ableitenden Abstammung des eigenen Geschlechts erscheinen zu lassen. Archäologische Monumente untermauern in den Gartenanlagen das dynastisch-genealogische Selbstbild und das in der Landschaft eingeschriebene uralte Herkommen des herrschenden Familiengeschlechts.
Die Dessau-Wörlitz-Kommission möchte die aktuell engen Beziehungen zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz dazu nutzen, die diesjährige Jahrestagung zu einem fächerübergreifenden Diskussionsforum zu machen. In der Tagung soll die angewandte archäologische Forschung mit den kultur- garten- und kunsthistorischen Wissenschaftsdisziplinen in einen produktiven Austausch treten; ausgehend vom Gartenreich Dessau-Wörlitz im Vergleich mit bedeutenden Landschaftsgärten in Europa.
Wiss. Leitung: Dr. habil. Michael Niedermeier und Prof. Dr. Harald Meller
Kontakt und weitere Informationen:
Tel.:+49 (0)345 55 21781
izea(at)izea.uni-halle.de
Jahrestagung 2023 der Dessau-Wörlitz-Kommission - Poesie und Herrschaft
Tagung
31. August bis 2. September 2023
Historischer Gasthof "Zum Eichenkranz"
Poesie und Herrschaft. Dessau-Wörlitz und andere Höfe der Aufklärungszeit
Konzeption und Leitung: Christian Eger und Prof. Dr. Daniel Fulda
https://www.izea.uni-halle.de/fileadmin/content/Plakat_Worlitz_DWK_06.07.2023.pdf
Information zur Jahrestagung der Dessau-Wörlitz-Kommission 2022
Jahrestagung der Dessau-Wörlitz-Kommission 2022
Reformen auf dem Prüfstand. Kontext und Wirkung der Reformpolitik Franz von Anhalt-Dessaus im Spiegel der neueren Forschung
16. und 17. September 2022
Organisation und Leitung: Dr. Paul Beckus
Ort: Wörlitz, Historischer Gasthof „Zum Eichenkranz“ – Präsenzveranstaltung
Veranstalter: Dessau-Wörlitz-Kommission, Arbeitskreis Anhalt der HiKo Sachsen-Anhalt, in Kooperation mit der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Kurzbericht im IZEA-Newsletter 2022 III